D-LEsta, 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, Nr. 2799, Bl. 60
- Titel
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- 1896-09-21 Carl Reinecke an Breitkopf & Härtel
- Signatur
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- D-LEsta, 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, Nr. 2799, Bl. 60
- Ort des Bestandes
- Bestand
- Absender
- Ort des Absenders
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- Leipzig
- Empfänger
- Ort des Empfängers
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- Leipzig
- Sprache
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- Deutsch
- Inhalt
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- Carl Reinecke gibt seine Gutachten zu verschiedenen Kompositionen ab
- Transkript
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- Leipzig, 21. September 1896
Sehr geehrte Herren!
Was die 2te. Orchester-Suite von Busoni anbetrifft so fühle ich mich derartiger Musik gegenüber (die auf ganz anderer Basis <x> \steht/ als Alles was von Bach bis Schumann geschaffen worden) vollständig incompetent. Folgen von 11 Quinten, wie sie dort vorkommen finde ich einfach scheußlich und die ganze Musik verbrecherisch; aber augenblicklich sind ja die Schönheitsregeln über Bord geworfen und es giebt eine ganze Menge, die sich für Musik à la Busoni interessirt. |Kretzschmar|
Eight Pianoforte-Pieces v. Duncan sind von verschiedenem Werthe, die besseren sind Salonstücke von anständiger Gesittung. |an Hn. K.|
Blumenreigen u. Kahnfahrt v. Kunze. Albern.
Valse Impromptu v. Berr. Athmet haut gout, ist
/
zu kurz und läßt in Folge der vielen orthographischen Schnitzer auf einen Dilettanten als Componisten schließen.
Five Sketches v. Bell. Verrathen noch eine gewisse Ungeschicklichkeit des Componisten u. klingen oft unschön.
Five Sketches by Gulli. Zum Theil süßliche Salonmusik, zuweilen übertrieben gewürzt. Mir gefallen sie nicht.Ave Maria v. ….?Gut gemeint aber nicht meisterlich gemacht.Quartett v. Carré.Der Componist hat einen ganz sonderbaren Begriff von musikalischer Form und vom Kammermusikstyl. Auch die Behandlung der Saiteninstrumente ist eine seltsame. |Manuscript zurück gesandt. Soll volle Kosten tragen.|
„Zur Carnevalszeit“ v. G. Schumann ist ein ganz talentvoll geschriebenes Werk. Der Componist […]
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zwar auch Sachen zu bringen, die man früher für unschön u. unmöglich hielt (ich finde solche Stellen schon von anderer Hand mit Bleistift markirt) aber es kommt doch nicht häufig vor.
Variationen von Preyer sind tüchtig gemacht, werden jedoch beim Publikum nicht viel Interesse zu erregen vermögen.
Die vorgenannten Sachen lege ich zum Abholen bereit.
In vorzüglicher Hochachtung
Ihr
Carl Reinecke
- Leipzig, 21. September 1896
- Umfang
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- 2 Blätter, 3 Seiten
- Bemerkung
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- Handschrift
- Edmonstoune Duncan: „8 Pianofortestücke“ op. 36 erschien im Mai 1897 im Verlag.
Carl A. Preyer: „Variationen über ein eigenes Thema f. Pfte“ op. 32 erschien im März 1897 im Verlag.
Ferruccio Busonis „Geharnischte Suite“ op. 34a erschien 1905 in einer überarbeiteten Fassung im Verlag.
Georg Schumann: „Zur Kanevalszeit. Suite f. gr. Orch.“ op. 22 erschien im November 1899 bei Hofmeister in Leipzig. - unklar: Kunze, Gulli, Preyer
- Datum
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- 21.09.1896
- Personenreferenz
- Werkreferenz
- Schlagworte
- Bearbeiter:in
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- mayer
- Bearbeitungsstatus
-
- fertig
- Statische URL
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