D-LEsta, 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, Nr. 2799, Bl. 26
- Titel
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- 1896-05-06 Carl Reinecke an Breitkopf & Härtel
- Signatur
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- D-LEsta, 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, Nr. 2799, Bl. 26
- Ort des Bestandes
- Bestand
- Absender
- Ort des Absenders
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- Leipzig
- Empfänger
- Ort des Empfängers
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- Leipzig
- Sprache
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- Deutsch
- Inhalt
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- Carl Reinecke übersendet seine Gutachten zu verschiedenen Kompositionen
- Transkript
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- Leipzig, 6. Mai 1896
Hochgeehrte Herren!
Ueber die mir neuerdings zugesandten Sachen habe ich Folgendes zu berichten:
Clavier-Concert von Rauchenecker. Ein ernstes, achtunggebietendes Werk, welches aber schwerlich Beachtung finden wird, weil der Claviersatz sehr altmodisch und wenig gewählt ist.
Preussische Königslieder von Otto Kurth. Es ist möglich, daß unter den zahlreichen Männergesang-Vereinen auch hiefür ein Publikum zu finden ist. Ich finde sie hinsichtlich der Erfindung und Harmonisirung reichlich naiv und dürftig.
Hiawatha von Kämpf ist im Gegentheil reichlich gesucht und geschraubt, jedoch ist dem Componisten nicht abzusprechen, daß er eine gewiße Begabung hat.
Suite für Clavier und Viol. von Ph. Scharwenka. Von allen eingesandten Manuscripten unbedingt das reifste und beste.
Rhapsodie von Curt Herold. Gute und ernste, aber spröde und schwer zu spielende Musik.
Bilder vom Rhein von Louis. Mittelmäßige Salonmusik.
Glückliches Heim von demselben. Sehr schwach
Polka Mazurka von Heger. Unmöglich
Ballade von Renner. Gute aber reizlose Musik, sehr unbeholfener Claviersatz.
Sonate von Schröter. Ganz verschroben.
Introduction und Fuge von Schuppan. Nicht meisterlich genug um als Fuge interessiren zu können.
27)
„Dans les airs“ von Garibaldi. Leichte, sehr saloppe Salonmusik, welche möglicherweise auch ihr Publikum hat.
Marche nocturne, Graziosa \La Brise, Sans nuages/, von ähnlichem Gehalte, aber ein klein wenig schwerer.
Les Trilles von Garibaldi. Von gewissem instructivem Werthe ohne jedoch gründlich und erschöpfend zu sein.
Die sämmtlichen Opera von Franz Walter sind gewiß als die Erzeugnissen eines unglücklichen Blinden anzuerkennen, einen künstlerischen Werth kann man ihnen aber nicht zusprechen.
Ueber „Die Lehre von der thematischen Arbeit von A. Richter“ wage ich kein Urtheil abzugeben weil ich zu dem Zwecke das ganze Werk gründlich durchsehen müßte, was selbstverständlich mehre [!] Tage in Anspruch nehmen würde, zumal die Handschrift eine sehr unleserliche ist. Ich habe aber in dem Werke
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manche Seite gesehen und bin vielen verständigen Ansichten begegnet, aber auch – so weit ich nicht selbst irre – falschen musikalischen Citaten, die aus dem Gedächtnisse aufgeschrieben zu sein scheinen. Auch scheint mir der Autor reichlich viel einige musikalische Beispiele eingeflochten zu haben.
Ueber die Spieleerlaubevon Bender erlaube ich mir vollends kein Urtheil, doch glaube ich kaum, daß es der Verlagshandlung Breitkopf & Härtel würdig wäre Derartiges zu veröffentlichen. Hinsichtlich des Compositionsspieles müßte allerdings wohl nachgeforscht werden ob die betreffenden Compositionen sämmtlich gedruckt werden dürfen. – Die beiden Hefte (II und III) „Perlen aus Manfred’s Krone“ sende ich einstweilen zurück, da ich meine, daß man doch einstweilen abwarten muß, ob das erste Heft Beachtung findet, bevor man das 2t. und 3t. druckt. Sollten Sie sich später dazu entschließen, so würde ich wohl wieder stark eingreifen müssen.
Hochachtungsvoll ergebenst
Carl Reinecke
28)
*Ich benutze die Gelegenheit um Ihnen, hochgeehrten Herren,um Ihneneine neue Bearbeitung eines Concert-Andante’s von Mozart zu übersenden, welche ich jetzt in Wien mit großem Erfolge gespielt habe und welche vielleicht ein Seitenstück zu dem Larghetto aus dem Krönungs-Concerte abgeben dürfte. Als Honorar würde ich mir 50 M. ausbitten.
Stets
Ihr hochachtungsvoll ergebener
Carl Reinecke
Das Paket mit den beurtheilten Werken, denen ich das Andante von Mozart beigelegt habe, lassen Sie vielleicht gütigst abholen *
- Leipzig, 6. Mai 1896
- Umfang
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- 3 Blätter, 4 Seiten
- Bemerkung
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- Handschrift
- Alfred Richter: „Die Lehre von der thematischen Arbeit m. praktischen Uebungen verbunden“
erschien im Oktober 1896 im Verlag.
Philipp Scharwenka: „Suite f. V. u. Pfte“ op. 99 erschien im September 1896 im Verlag.
Adolf Schuppan: „Introduction u. Fuge (Bm) f. Pfte“ op. 14 erschien im September 1896 im Verlag.
Carl Reinecke: „Perlen aus König Manfred’s Krone. Phantasie über Motive aus der Oper ‚König Manfred‘ f. Pfte, Harm. u. V. einger. v. Friedrich Roehl“ erschien im Oktober 1898 im Verlag.
Otto Kurth: „Preussische Kriegslieder aus der Zeit Friedrichs des Grossen f. T.- u. Bar.-Solo, Männerchor m. Orch. od. Pfte.“ erschien im September 1896 bei Oertel in Hannover.
Josef Renner jun.: „Ballade (Am) f. Pfte“ op. 42 erschien im November 1896 bei Junne in Leipzig.
Wolfgang Amadeus Mozart: „Andante aus dem Pfte-Concert No. 23 (A) zum Concertvortrage bearb. v. Carl Reinecke“ erschien im September 1896 im Verlag. - unklar: Kämpf, Louis, Heger, Schröter, Franz Walter, Schuppan
- Datum
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- 06.05.1896
- Personenreferenz
- Werkreferenz
- Schlagworte
- Bearbeiter:in
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- mayer
- Bearbeitungsstatus
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- in Arbeit
- Statische URL
- https://musiclpz.dl.uni-leipzig.de/receive/MusicLpzLetter_letter_00002013
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- Lizenz Metadaten
- CC0 1.0
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