D-LEsta, 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, 0131/7, Kopierbuch, 1. September 1856–31. Dezember 1857, Bl. 791
- Titel
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- 1857-12-02 Breitkopf & Härtel an Carl Reinecke
- Signatur
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- D-LEsta, 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, 0131/7, Kopierbuch, 1. September 1856–31. Dezember 1857, Bl. 791
- Ort des Bestandes
- Bestand
- Absender
- Ort des Absenders
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- Leipzig
- Empfänger
- Ort des Empfängers
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- Barmen
- Sprache
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- Deutsch
- Inhalt
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- Breitkopf & Härtel diskutieren den Verlag von Reineckes Ouvertüre zu "Nussknacker und Mausekönig" durch Jaques Maho in Frankreich
- Transkript
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- 2. Dezember 1857
Werther Freund,
Ihr lieber Brief vom 25 v. Mts. bringt uns in Verlegenheit. Sie wünschen, daß Maho Ihre Ouverture zu Nußknacker und Mausekönig drucken dürfe, und gewiß würden wir hier als liebstes sogleich ja sagen, da Sie und Maho uns so genau befreundet sind. Es will aber doch so ohne Weiteres nicht wohl gehen. Denn abgesehen davon, daß Belgien von uns prinzipiell nicht wohl abgegeben werden kann, und ein Revers wegen Amerikas kaum etwa helfen würde, so kommt bei diesen Dingen noch ein anderes, uns nicht unwichtiges Moment hinzu.
Sie wissen, daß die Herrn Franzosen selbst das lumpigste, wertloseste Steine sich von uns verhältnismäßig mit Gold aufwiegen lassen, während sie uns früher die besten Sachen ohne Weiteres nachdruckten.
Jetzt wo die Gesetze ein wenig besser für uns stehen, kommen sie […] bittweise um unsere theils gangbarsten, theils sonst gehaltvollsten Sachen ein, und wünschen sie gratis haben, thun als ob nichts ordentlich damit zu machen wäre u. s. w.
Das geht natürlich nicht, und wir halten es, selbst im Interesse unserer deutschen Autoren, für Pflicht dahin zu wirken, daß die Herren Pariser sich daran gewöhnen, deutsche Musik zu honoriren (das dürfte dann mit „achten“ ziemlich synergen sein), wie sie uns schon lange gewöhnt haben, Ihnen Alles zu bezahlen. Wir haben Freund Maho schon ein paar Werke stechen lassen, aber es muß das alles seine Grenzen haben, und fangen wir jetzt nicht ernstlich an, hiernach zu sehen, so hilft später alles Zaudern und Verlangen nichts.
Davon können Sie ganz bestimmt ausgehen, daß ein pariser Verleger kein Werk sticht von dem er nicht mit Bestimmtheit voraussetzt daß es ihm Gewinne bringe. Legen Sie ihm das beste, für die Entwickelung der Kunst wesentlichste vor, er giebt es Ihnen ganz ruhig zurück, wenn sein Calcül keinen positiven Vortheil zeigt. Nur so mögen sie von diesem Vortheil auch den rechten Theil abgegeben [!], damit er, sei es direct oder indirect dem deutschen Autor zu Gute komme; denn daß der deutsche Verleger bei dem Erscheinen in Frankreich verliert, ist klar. Von dem Augenblick an wo die französische Ausgabe erscheint läßt die Douane kein deutsches Exemplar mehr über die Gränze [!], ebenso die belgische, ja selbst die über Hâvre nach Amerika von hier aus gehen werden geöffnet, und die deutschen Ausgaben als contreband confiscirt. Solchen Verhältnissen gegenüber muß man auch etwas auf sich halten.
Bei nächster Gelegenheit werden wir aber Maho über den Gegenstand schreiben und ich behalte mir dann weitere Mittheilungen vor.
Mit freundschaftlichem Gruße.
- 2. Dezember 1857
- Umfang
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- 1 Seite
- Bemerkung
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- Handschrift
- Carl Reinecke: „Ouverture zu Hofmann’s Kindermärchen vom Nussknacker und Mausekönig“ op. 46 war im Juni 1855 im Verlag erschienen.
- Datum
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- 02.12.1857
- Personenreferenz
- Werkreferenz
- Schlagworte
- Bearbeiter:in
-
- mayer
- Bearbeitungsstatus
-
- fertig
- Statische URL
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