D-LEsta, 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, 0241 Kopierbuch G, 21. August–30. September, Bl. 993
- Titel
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- 1880-09-30 Breitkopf & Härtel an Carl Reinecke
- Signatur
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- D-LEsta, 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, 0241 Kopierbuch G, 21. August–30. September, Bl. 993
- Ort des Bestandes
- Bestand
- Absender
- Ort des Absenders
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- Leipzig
- Empfänger
- Ort des Empfängers
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- Leipzig
- Sprache
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- Deutsch
- Inhalt
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- Breitkopf & Härtel diskutieren verschiedene Arten der Notation von Bläserstimmen und bitten Reinecke um seine Einschätzung
- Transkript
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- 30. September 1880
Sehr geehrter Herr Kapellmeister!
Dürfen wir in der folgenden Frage der Notations-Technik Ihren freundlichen Rath erbitten!
Wie Sie wissen, ist bei den bisherigen Gesammtausgaben in Bezug auf die Notation in den Partituren eine gewisse Gleichmässigkeit beobachtet worden, die sich auf den Brauch in unserer Stecherei und im Wesentlichen auf gewisse Vorschriften begründet, die Julius Rietz bei der Beethoven- und Mendelssohn-Ausgabe auf Grund seiner langjährigen Erfahrung gegeben hat. Bei der ganz verschiedenartigen Notationsweise, die im Verlaufe eines reichen Künstlerlebens von den ersten bis zu \den/ letzten Kompositionen zu walten pflegt, ist eine nachträglich durchgeführte Konsequenz garnicht wünschenswerth, wenn sie nicht der Eigenart des Komponisten, oder gewisser Perioden derselben, entgegentritt.
In der Anlage die erste und zweite Symphonie Robert Schumann’s. In der ersten bei uns erschienenen Ausgabe sind die Bläser-Stimmen, wo sie auseinander gehen, zusammen gekoppelt und einfach
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gestielt, wo sie zusammengehen, doppelt gestielt nach oben und unten. In der zweiten Symphonie, hier bei Whistling erschienen, sind die Bläserstimmen, sowohl wenn sie zusammen, als auch wenn sie auseinandergehen, doppelt gestielt.
Wir können nicht leugnen, daß die letztere Art, konsequent durchgeführt, ein klares Bild für den rasch die Partitur Durchsehenden giebt und das ist ja der Hauptgrund, den eine gut notirte Partitur erfüllen soll. Wir fügen nun noch die neue Ausgabe der ersten Symphonie bei, bei welcher das seitdem bei den Gesammtausgaben geübte Princip angewendet ist, nämlich im Allgemeinen die Bläser-Stimmen einfach zu stielen und zwar wenn sie auseinander gehen, dieselben zu doppeln und wenn sie zusammen gehen „a2“ über die betreffende Stelle zu schreiben. Das Letztere nöthigt freilich zu einigen Inkonsequenzen, z. B. wenn wie im 4. Takt der Trombe die erste Note ganz vereinzelt gemeinsam ist und deshalb durch Doppelstielung nach oben und unten gekennzeichnet wird.
Der Wunsch der Frau Schumann und ihren von ihr selbst gewählten Mitarbeitenden ist nun, überall die Doppelstielung durchzuführen, mögen die Instrumente zusammen gehen oder nicht.
Dabei würden wir genöthigt sein, von unserem
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bisherigen Prinzip ganz abzuweichen. Das möchte gehen, wenn die Schumann-Ausgabe konsequent durchgeführt würde. Dann aber würden wir auch von den bisher gestochenen Werken eine große Anzahl Platten theils ruiniren, theils ganz neu stechen müssen.
Wir bitten Sie um Ihren guten Rath, was Sie in dieser Sache vom Standpunkte des Praktikers aus für das Gebotene erachten, ob dem Schumann der ersten Symphonie, der dort freilich nicht ganz konsequent ist, oder dem hierbei allerdings konsequenten der zweiten Symphonie beizustimmen ist, oder ob sich der Usus unserer bisherigen Gesammtausgaben empfiehlt?
Vielleicht ist es Ihnen möglich, bald einen Blick auf das gesandte Material zu werfen, die Anschauung der beiden ersten Seiten eines jeden Bandes genügt vollkommen, um das Urtheil zu gewinnen.
Zum Voraus besten Dank!
In hoher Achtung
Ihre
ergebenen
Breitkopf & Härtel
- 30. September 1880
- Umfang
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- 3 Seiten
- Bemerkung
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- Handschrift
- Datum
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- 30.09.1880
- Personenreferenz
- Werkreferenz
- Schlagworte
- Bearbeiter:in
-
- mayer
- Bearbeitungsstatus
-
- fertig
- Statische URL
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